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Interieur – Architektur von innen denken

Symposium an der Bergische Universität Wuppertal, Fakultät Architektur und Bauingenieurwesen

11.11.2016, 9.30-13.30 Uhr, Zeichensaal, Fakultätsgebäude Haspeler Strasse 7

Das Interieur der Stadt und die Innenräume der Gebäude; in beiden spielt sich das ab, wofür Architektur gedacht ist: alltägliches Leben und die aussergewöhnlichen Momente. Architektur ist Interieur. In der Architekturpraxis wird das Interieur, die Raumgestaltung, oft als Konkurrenz zum klassischen architektonischen Entwurf aufgefasst. Das Symposium Interieur – Architektur von innen denken, eine Initiative der Lehrstühle Entwerfen und Gebäudelehre und AGT (Architekturgeschichte und –theorie) bringt verschiedene Perspektiven – Entwurf und Reflektion – zusammen, um zu untersuchen, welches radikal neue und zugleich uralte Denken über Architektur sich aus der Sicht „von innen“ ergibt: eine Architektur der kleinen Gesten und der grossen Erfahrungen, von Licht und Schatten, Wärme und Kälte, von Intimität und Anonymität.

Mit Künstler/Autor/ArchitektMark Pimlott (Den Haag/ London), und den Architekten Gert Somers (ONO architectuur, Antwerpen), Inge Vinck (dvvvt architeten, Gent) sowie Jonathan Sergison (Sergison Bates, London). Moderation: Prof. Susanne Gross und Prof. Dr. Christoph Grafe

Konferenz Wuppertal 14. und 15. Januar 2016 

Universität Wuppertal (in Zusammenarbeit mit dem Historischen Zentrum Wuppertal)

Organisationsteam: Christoph Grafe, Elke Krasny und Oliver Ziegenhardt

Als Friedrich Engels 1845 'Die Lage der arbeitenden Klasse in England' veröffentlichte, war dies eine große Sensation. Zum ersten Mal lenkte eine sozialwissenschaftlich-empirische Arbeit, verquickt mit politischen und philosophischen Theoriemomenten, ihre Aufmerksamkeit auf die Lebensbedingungen der Arbeiter. Anlässlich des 120. Jahrestages des Todes von Engels 2015 scheint es passend, den aktuellen Diskurs über die Stadt und seine wirtschaftlichen und kulturellen Dimensionen zu untersuchen.

 In 'Die Lage' präsentiert Engels eine sozialgeographische Studie der voll entwickelten Industriestadt. Seine Forschungsmethode ist empirisch; ausgehend von Besuchen der Armenviertel und Arbeiterquartiere in Manchester, die er mit Mary Burns um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts unternimmt, stellt er eine Analyse der Raummuster, einschließlich der sozialen Abtrennungen und der Lebensbedingungen in den Wohnvierteln der Arbeiter in der Stadt vor. Die wenigen Illustrationen, die die physischen Arrangements der Industriestadt zeigen, bleiben einmalig in den Untersuchungen von Lebensbedingungen in der Stadt des neunzehnten Jahrhunderts. Engels, ein genauer Beobachter der städtischen Wirklichkeiten von Manchester, lenkt die Aufmerksamkeit auf die Logik einer Unsichtbarmachung der Anwesenheit der Arbeiter und entwirft dabei das Bild einer bürgerlichen Stadt, die die dunkleren Aspekte ihrer Existenz eliminieren will.

'Die Lage' ist deshalb eine einzigartige Dokumentation der räumlichen Logik des Kapitalismus in der Industriellen Revolution.

Die gegenwärtige Situation wird durch Änderungen in den wirtschaftlichen und kulturellen Geographien von Städten charakterisiert, die ebenso dramatisch zu sein scheinen wie diejenigen, die Engels Mitte des neunzehnten Jahrhunderts analysierte. Eine durch die Dienstleistungsindustrien beherrschte Gesellschaft hat ein neues Prekariat geschaffen – häufig mit einem Migrationshintergrund und ohne Erfahrungen mit politischer Aktion, die die repräsentative Demokratie durchaus gewährt – , das sich in Städten behaupten muss, in der genau die Planungssysteme zunehmend abgeschafft werden, die ursprünglich geschaffen wurden, um den Symptome des Manchester-Kapitalismus vorzubeugen. Vergleichbar mit der von Engels beschriebenen Situation der Stadt der industriellen Revolution, tendiert das neue Prekariat, das als Angestellte von korporativen Industrien, von Dienstleistungsindustrien oder von den wohlhabenden Einwohnern überleben, deren Anwesenheit die 'städtische Renaissance' in Städten wie London, New York, Brüssel, Wien oder Amsterdam (und auf einer kleineren Skala in 'erfolgreichen' Städten wie Köln oder Düsseldorf) anzeigt, dazu, unsichtbar zu sein. Da Städte sozial wieder stärker getrennt werden, als sie seit langem gewesen sind, sind es hauptsächlich alltägliche Situationen zu Beginn der Morgenstoßzeiten in öffentlichen Verkehrsmitteln, in denen der demografische und wirtschaftliche Wandel sichtbar wird. Dort können wir die Reinigungskräfte, die Krankenschwestern, die Sicherheitsarbeiter oder all diejenigen treffen, die in der Lebensmittelversorgung arbeiten, die zwischen ihrem Zuhause (meist in der Peripherie) und verschieden Arbeitsstätten pendeln, und die nur überleben, wenn sie mehrere Jobs haben.

Die Stadt der neuen Unterschicht ist eine Stadt 'en route, to work’.

Was bedeutet die Forderung von Engels nach der 'räumlicher Gerechtigkeit', in den aktuellen Verhältnissen? Welche Formen der Darstellung machen Prozesse sichtbar, die viele Städte brauchen und präsentieren möchten, aber die gewöhnlich aus dem Blickfeld der städtischen Renaissance ausgeschlossen sind? Können Entwerfer auf die Flüchtigkeiten der aktuellen Situation reagieren, und welche programmatische, organisatorischen sowie ästhetische Strategien können entwickelt werden, um das zu erreichen? Das sind einige der Fragen, die wir gerne in der Heimatstadt von Engels auf der Konferenz 'En route to work' besprechen möchten, die für den 14. und 15. Januar 2016 in Wuppertal geplant ist. Die Konferenz, die durch die neue Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen der Universität Wuppertal (und dem Historischen Zentrum Wuppertal) veranstaltet wird, will Sozialwissenschaftler, Philosophen, Historiker und Entwerfer zusammenbringen, um zu untersuchen, wie diese neuen Herausforderungen unsere Städte bereits gestalten, und wie Entwerfer durch intelligente Strategien der Darstellung und des Designs darauf reagieren können.

 

Ewald Engelen

Wirtschaftsgeograph, Professor an der Universität Amsterdam, Ko-Autor des Artikels: “How to build a fairer city” (The Guardian, 24 September 2013)

http://www.theguardian.com/cities/2014/sep/24/manifesto-fairer-grounded-city-sustainable-transport-broadband-housing

Karel Williams

Karel Williams ist Wissenschaftler am Centre for Research on Socio-cultural Change und Professor für Politische Ökonomie an der Universität Manchester, Ko-Autor von “How to build a fairer city”, siehe oben.

Lionel Devlieger

Partner von ROTOR, Brüssel. Gegründet 2005, ist ROTOR heute ein Kollektiv von Menschen, die sich alle für den “material flow” beim Bauen interessieren. Auf praktischer Ebene konzipiert und realisiert ROTOR Projekte in Architektur und Design, auf Ebene der Theorie entwickelt es kritische Positionen zur Gestaltung, materialen Ressourcen und Abfall durch Forschung, Austellungen, Publikationen und Konferenzen. 2014 stellte ROTOR ein “spin-off” vor, ROTOR Deconstruction, ein autonomer Ableger, der sich die Rettung und Wiederverwertung besonderer baulicher Elemente aus Abbruchgebäuden zur Aufgabe gemacht hat.

www.rotordb.org

Tom Emerson, Stephanie Macdonald (6A Architects), London

Tom Emerson BSc(hons) DipArch(Cantab) RIBA studierte Architektur an der Universität Bath, dem Royal College of Art sowie der Universität Cambridge. Er lehrte an der Architectural Association und in Cambridge und publizierte Artikel zu Architektur, Literatur und Kunst. 2010 wurde er zum Professor für Architektur an die ETH Zürich beufen.

Stephanie Macdonald BA(hons)DipArch studierte Kunst am Portsmouth College of Art und, nach einem Jahr Praktikum in Japan, Architektur an der Mackintosh School of Architecture, dem Royal College of Art und an der Metropolitan University London, u.a. bei Caruso St. John. Sie hat die kollektive Ausrichtung des Büros entwickelt, das mit Künstlern, Modeschöpfern und Wissenschaftlern zusammenarbeitet. Sie leitet die Materialforschungen des Büros und seit neuestem die innovative Außenstelle von 6a am ICA.

www.6a.co.uk/information

Liza Fior and Katherine Clarke, MUF, London

Seit 1994 hat sich muf architecture/art eine Ruf für neuartige und innovative Projekte erarbeitet, die sich den sozialen, räumlichen und ökonomischen Infratsrukturen des öffentlichen Raumes widmen.

Muf sind Spezialisten für die Architektur und Kunst des öffentlichen Raumes. Ihre Herangehensweise ist geprägt von der Ambition, potenzielle Genüsse zutage treten zu lassen, die an den Schnittstellen zwischem dem Gelebten und dem Gebauten existieren. Der kreative Prozess ist unterlegt von der Fähigkeit, nachhaltige Kundenbeziehungen zu etablieren, die die Wünsche und Erfahrung von verschiedenen Milieus darstellt und wertschätzt.

http://www.muf.co.uk

Meike Schalk, Stockholm Meike Schalk ist Architektin und Juniorprofessorin für Städtebau und Stadttheorie an der KTH Fakultät für Architektur und Gebaute Umwelt. Obwohl als Architektin ausgebildet, hat sie 2007 im Fach Theorie und praktische Ästhetik der Landschaftsarchitektur promoviert. Ihre Recherchen zu Architektur und urbanen Problemen verbinden kritische Untersuchungen zu Nachhaltigkeit und Demokratie mit einer kreativen Beteiligung an urbanen Entwicklungen und partizipatorischer, praxisbezogener Forschung.

Kontext weiterschreiben - Editing Context

Symposium an der Fakultät Architektur und Bauingenieurwesen, Bergische Universität WuppertalArchitecture is context; Architecture creates context. These two statements address fundamental problems of negotiating the material and cultural conditions that affect architecture. Do we have to understand the project as a densification of the existing context, or is it its logical (perhaps even inevitable) extrapolation? Or is the context being constructed by the design, which realises the potential of a site and a place by negating and overruling the existing?

The symposium Kontext weiterschreiben – Editing Context brings together architects and historians, who approach the context from a variety of points of view: from a typological, formal or aesthetic perspective or through a deep examination of the atmosphere of a site. All these approaches have in common that they seek to relate to what is already there, and to construct a place, and to create architectural spaces and images, which render visible what is often unnoticed and produce new unforeseen meanings.

 

 

Constructing Habitat - Architectural Explorations and Strategies

Architektonische Streifzüge und Strategien

Mit dem Begriff Habitat verbinden sich vielerlei Überlegungen, Vorstellungen und Annahmen. Er beschreibt Lebensräume, komplexe Zusammenhänge, Innen- und Außenwelten. Im Architekturdiskurs erscheint er als ein Begriff der Kritik am modernen Städtebau. Das Symposium ‘Constructing Habitat’ untersucht, wie die Erforschung alltäglicher Lebenszusammenhänge und sozialer Vorstellungen, der Kultur der Städte und der Beobachtung ihrer Landschaften, sich niederschlägt in der Konstruktion von Architektur. Es geht um Architektur, die aus einer präzisen Wahrnehmung der Stadt und ihrer Gebäude – und der Menschen die diese benutzen und bewohnen – neue räumliche Bezüge herstellt, die sich mit dem Gegebenen engagiert und gleichzeitig neue Aneignungsstrategien für die Zukunft eröffnet.

Reisen am Rand der Städte
Boris Sieverts (Köln)

Milieubeobachtung als Methode
Kaschka Knapkiewicz und Axel Fickert (Zürich)

Erzählungen von Gemeinsamkeit
Mikel van Gelderen
(Amsterdam)

Das Haus, die Straße, die Stadt
Stephen 
Taylor (London),

zuletzt bearbeitet am: 19.10.2017