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Veröffentlichungen des AGT Wuppertal 2018

Das Jahr 2018 war einmal mehr ein produktives Jahr, was die Publikationstätigkeit des Lehrgebiets Architekturgeschichte und –theorie an der Fakultät Architektur und Bauingenieurswesen betrifft. AGT Mitarbeiter waren unter anderem mit Ausstellungspublikationen, Artikeln in wissenschaftlichen Zeitschriften und in Fachzeitschriften und mit Beiträgen zu Büchern international präsent. 

 

Eine kleine Auswahl:

 

Christoph Grafe, ‘Microcosms – Finding a city in its interiors’ (mit Asli Cicek, Sereh Mandias and Daniel Rossbottom), Oase 101 (November 2018), insbesondere der Artikel von Christoph Grafe, ‘The Microcosm of London – Interiors of the City as an Archive of Life and Death’, Oase 101 (November 2018)

 

In der modernen Stadt verschiebt sich das Alltagsleben zunehmend in das Innere von Gebäuden. Die Gestaltung von Kaufhäusern, Markthallen, Verwaltungsgebäuden, Museen oder Theatern wird zum Teil des Erlebnisses der Stadtbewohner. Jedes Interieur der Stadt hat seinen eigenen Charakter, seine eigene Atmosphäre und eine repräsentative Architektursprache, die auf die spezifische soziale Bedeutung hinweist. In der heutigen Praxis sind diese Unterschiede weitgehend verschwunden; eine Logik der Standardisierung verwischt Unterschiede in der Bedeutung, aber auch in der Atmosphäre. Je spektakulärer die Außenseite von Gebäuden, desto banaler scheint ihr Inneres zu werden.

Diese Ausgabe von OASE will dieses Verschwinden nicht registrieren, sondern sucht nach einer Reihe von Strategien und Gestaltungsinstrumenten für das öffentliche Stadtinnere. Die Redakteure suchen architektonische Projekte für Innenräume, die ihre Bedeutung aus einem bestimmten Ansatz ableiten und ein erkennbares Element der Autorschaft zeigen.

Das Bild der Stadt über vemittelt über die Innenräume von Gebäuden hat eine lange Tradition. Oft sind es Bilder von Macht und Status. Sie zeigen Säle in Palästen, Kirchen und Theatern und feiern die Opulenz und Überschwänglichkeit der architektonischen Dekoration. In der aufstrebenden modernen Metropole der industriellen Revolution dokumentieren die Bilder von Innenräumen das vielfältige städtische Umfeld und die sozialen Praktiken. Eine differenzierte städtische Ökonomie gewährleistet die Erfindung einer Vielzahl von städtischen Instituten und architektonischen Lösungen. Dieser Artikel nimmt den zwischen 1808 und 1810 veröffentlichten Microcosm of London des frühen 19. Jahrhunderts als Material, Bilder verschiedener sozialer Situationen, von Gefängnissen bis zu Krankenhäusern und von Bildungs- und Vergnügungsstätten, in denen die Metropole als Archiv der Innenräume entsteht.

 

Christoph Grafe/ Tom Avermaete), ‘The Ideas of a Small Avant-Garde at Large: Situating Stynen’s Professional Practice in the Post-War Period’, in: Laureys, Dirk (ed.), Léon Stynen 1899-1990, Flanders Architecture Institute/ VAi, Antwerp, 2018

 

Dieser vergleichende Essay ist ein Versuch, das Werk von Architekten wie Stynen, Asnago, Møller und van den Broek jenseits der etwas erschöpften Kategorien von "Modernisten" und "Traditionalisten", von "Avantgarde" und "Mainstream" abzugrenzen und zu überdenken. Das Mailänder Berufskollektiv von Claudio Asnago, die nicht-dogmatischen Projekte von C.F. Møller in Kopenhagen und Aarhus und J. H. van den Broeks praktische Beteiligung am Wiederaufbau Rotterdams teilen bestimmte Merkmale, die mit diesen Kategorisierungen nicht angemessen erfasst werden können, die in erster Linie zur Beschreibung künstlerischer Praktiken entwickelt wurden und somit vom schmutzigen Realismus der Architekturpraxis entfernt erscheinen. Stattdessen schlagen wir den Begriff der "kultivierten Professionalität" vor, um die Arbeit von Stynen und seinen Zeitgenossen zu qualifizieren. Das Konzept beschreibt den spezifischen Ansatz von Architekten wie Stynen, Møller, Asnago und van den Broek für die großen Nachkriegsprojekte von Gemeinschaftswohnungen, Schulen und Kulturzentren. Sie teilen eine professionelle, pragmatische und dienstleistungsorientierte Haltung, bei der eine adäquate Antwort auf die sozialstaatlichen Programme Vorrang vor dem Willen zu haben scheint, die Unterschrift des einzelnen Architekten zu formulieren. Aber das Konzept der "kultivierten Professionalität" bezieht sich auch auf die intensive Beziehung, die Stynen und seine Zeitgenossen zur lokalen Kultur, in der sie auftraten, unterhielten. Es waren Praktizierende, die sich durch enge Beziehungen zu einer Gruppe etablierter öffentlicher und privater Auftraggeber auszeichneten und deren Arbeit daher sowohl als sozial als auch lokal eingebettet bezeichnet werden kann. Sie teilten eine pragmatische, aber sehr sachkundige Haltung gegenüber dem gegebenen wirtschaftlichen und sozialen Kontext ihrer Region und Stadt, die nie grundlegend in Frage gestellt wird.

 

Kornelia Dimitrova, We are human rights – The research publication, Eindhoven: foundation we are, 2018, Ausstellungskatalog anlässlich Dutch Design Week 2018

 

Diese Publikation enthält alle Forschungsarbeiten, die während des Projekts We Are Human Rights durchgeführt wurden. Sie zeigt die Konzepte der verschiedenen Projekte und gibt einen Einblick in die verwendeten Methoden, wie We Are die Wirkungsweise des Entwurfs betrachtet und taucht ein in die Geschichte des Designs für das Immaterielle. Auf diesen Seiten wird keine universelle Methodik folgen, ebenso wenig wie eine definitive Aussage über die Schnittmenge von Menschenrechten und Designpraktiken. Es gibt nicht einen Prozess oder ein Rezept, dem jemand folgen könnte, um für die Menschenrechte zu entwerfen, auch wenn einige präskriptive Ansätze, unter anderem Design thinking, uns dazu verleiten, anders zu argumentieren. Doch zweifellos führt eine einzigartige Erfahrung, wie das Projekt We Are Human Rights, zu neuen Erkenntnissen und Beobachtungen, und das erfordert an sich schon Nachdenken.

 

Christoph Grafe, ‘Confusion, symmetry and other really evil matters; Aldo van Eyck and his orphanage in 1959, in: Orphanage Amsterdam: Building and Playgrounds by Aldo van Eyck, Architectura & Natura, Amsterdam 2018

 

Das Waisenhaus von Aldo van Eyck ist eine Vielzahl von Gebäuden. Der Architekt selbst bezeichnete sie als eine kleine Stadt, als eine Sammlung von architektonischen Situationen. Einige andere - Kritiker, Architektenkollegen, Architekturlehrer - haben dieses Gebäude als Leinwand für Projektionen mit unterschiedlichen Erwartungen und Hoffnungen herangezogen. Das Waisenhaus ist auch ein Gebäude, das trotz seiner nicht unproblematischen Geschichte nach wie vor als eines der ganz wenigen wirklich bedeutenden Gebäude der Architekturgeschichte nach 1945 positiv wahrgenommen wird. 1959 präsentierte Aldo van Eyck, damals 41 Jahre alt, das Waisenhaus auf der letzten Konferenz des Congrès International d'Architecture Moderne (CIAM) in Otterlo. Das Waisenhaus wird als eine Stellungnahme zur Architektur diskutiert: die Essenz ihrer Operationen und ihrer grundlegenden Rolle in der Gesellschaft. Seine erklärte Überzeugung, dass das Gebäude - und die Architektur - eine Antwort auf die Übel der Gesellschaft sein soll, stimmte mit sehr allgemeinen Tendenzen im Architekturdiskurs der Zeit überein. Van Eycks Manifest für eine radikal andere Position und Definition von Architektur kann als eines der wichtigsten Ereignisse im endgültigen Zerfall angesehen werden, vielleicht ein entscheidender Nagel im Sarg des CIAM. Unterdessen behielt das Waisenhaus seine Einzigartigkeit im Werk seines Autors. Kein anderes gebautes oder nicht gebautes Projekt in der späteren Karriere von Aldo van Eyck hat dieses frühzeitige Projekt übertroffen oder seine Wirkung in und auf die Architekturgeschichte erreicht. Es entwickelte eine intellektuelle und kulturelle Position, mit Auswirkungen auf die Rolle der Architektur und ihre Autonomie - und es implizierte auch eine Position darüber, was es bedeutet, ein Architekt zu sein.

 

‘Rooms, Passages and Views; a primary school building by Bovenbouw architects’, in: Sofie De Caigny, This is a Mustard Factory, Architectural Review Flanders no. 12, Flanders Architecture Institute/ VAi, Antwerp, 2018

 

Die Gestaltung einer Schule ist eine der anspruchsvollsten und komplexesten architektonischen Aufgaben. Schulen sind nie nur Gebäude. Sie sind vielleicht im Idealfall Umgebungen, in denen Kinder die Welt entdecken und verstehen können. Die Spannung zwischen den architektonischen und den pädagogischen Impulsen ist in der Debatte über den Schulbau ein ewiges Thema geblieben und spielt bei der Gestaltung von Grundschulen eine besondere Rolle. Gibt es einen Ausweg aus der Sackgasse zwischen didaktischen Anliegen und formalistischen Ansätzen der Schularchitektur? Kann eine Schule ihre Rolle als öffentliches Gebäude ausdrücken und gleichzeitig eine Präsenz in ihrem urbanen Kontext ausdrücken? Und welche kompositorischen Strategien können in der heutigen Zeit eingesetzt werden, in einer Zeit, in der die Planung und der Bau von Bildungsgebäuden rücksichtslosen Ökonomien unterworfen ist, die alles ablehnen, was außerhalb der Logik des unerbittlichen Utilitarismus liegt? Das sind nur einige der Fragen, mit denen sich Bovenbouw bei der Planung einer Schule in der Gemeinde Berlaar, etwa 15 Kilometer südöstlich von Antwerpen, auseinandergesetzt hat. Und als Antwort darauf entwickelten sie ein Gebäude, das ein bescheidenes Verhalten mit einer originellen Untersuchung des Potenzials der räumlichen Konfiguration verbindet. Im Entwurf für diese zeitgenössische Schule lösen die Architekten erfolgreich das Problem, die Logik der Wiederholung mit der Notwendigkeit zu vereinbaren, jedem einzelnen Raum eine eigene Atmosphäre und einen eigenen Charakter zu verleihen. Durch das Einweben eines Raumes in einen anderen wird eine Erfahrung der Einheit und eine intuitive Orientierung erreicht. Das Verständnis der eigenen Position im Gebäude wird nicht durch Hierarchie, sondern durch Differenzierung und Immersion erreicht. Allmählich und ohne Angst erlebt, macht der "Rauhaufen", der das Gebäude und seine Teile umfasst, vollkommen Sinn. Das ist Architektur, die ein Menschenbild - eine Vorstellung davon, was es bedeutet, Mensch zu sein - und nicht eine Lehre vermittelt. Dies ist eine der Lektionen, die von dieser Schule in Flandern erteilt wird, und sie wird ruhig, elegant und ohne den geringsten Hauch einer didaktischen Haltung vermittelt: die Welt der Schule als ein Raum des Verstehens und der Erkenntnis, mit Orten zum Entdecken und Erinnern.

Die Veröffentlichung enthält auch den Artikel:

Christoph Grafe, ‘The dimensions of the ordinary, reloaded; Some observations on the Cadix development in the Antwerp docklands’, in: Sofie De Caigny, This is a Mustard Factory, Architectural Review Flanders no. 12, Flanders Architecture Institute/ VAi, Antwerp, 2018

zuletzt bearbeitet am: 24.10.2019